27. Mai 2026

Weil Motivation kein Massenprodukt ist: Prämierte Forschung zeigt, warum wirksame Anreize Maßarbeit brauchen

Verleihung des 41. Wolfgang-Ritter-Preises stellt die Frage „Was motiviert Menschen wirklich?“ in den Fokus

Am 11. Mai kamen über 100 Menschen im Bremer Rathaus zusammen, um ein interessantes Thema in den Fokus zu stellen: den Abschied vom „One-Size-fits-All“-Ansatz in der Personalpolitik hin zu maßgeschneiderten Anreizen, die Mitarbeiter motivieren und langfristig ans Unternehmen binden. Jun.-Prof. Dr. Saskia Opitz erhielt für ihre Arbeit zu diesem Themenkreis den Wolfgang-Ritter-Preis. Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik folgten der Einladung der Stiftung, darunter rund 20 Wolfgang-Ritter-Preisträger der zurückliegenden Jahre und Staatsrätin Karolina Kumar.

In der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Vorstands der Wolfgang-Ritter-Stiftung, Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter, betonte er, dass Wolfgang Ritter, der Gründer und Namensgeber der Stiftung, sich als weitsichtiger Unternehmer sicherlich erfreut gezeigt hätte über die diesjährige Preisträgerin, hat sie sich doch getreu seinem Motto „die bessere Idee“ einem für Unternehmen wichtigen Thema, in dem die Mitarbeiter mit ihren Bedürfnissen eine zentrale Rolle spielen, gewidmet.

In ihrem anschließenden Grußwort sagte die Staatsrätin bei der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, wie wichtig es sei, über den Umgang mit Menschen in Unternehmen und Organisationen nachzudenken. Dazu gehören gut ausgebildete, motivierte Mitarbeiter. Wertschätzung, Sinn und Nachhaltigkeit rücken dabei immer weiter in den Vordergrund. Die Arbeit von Frau Opitz liefert wertvolle Impulse und zeigt auch an diesem Beispiel, wie wichtig der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis ist. Dies weiter voranzutreiben wünscht sich auch die Preisträgerin.

Ich würde mir von Wissenschaft und Praxis wünschen, dass wir noch mehr in den Dialog kommen und noch mehr Brücken bauen. Sodass sich beide Seiten gegenseitig weiterbringen, wichtige Fragestellungen entwickeln und gute Antworten finden können.
– Jun.-Prof. Dr. Saskia Opitz

Anreize, die zum Träumen einladen

Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Zimmermann – Jury-Mitglied und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensrechnung und Controlling an der Universität Bremen – hielt die Laudatio. Darin bezeichnete er Anreize als das Fundament jeder wirtschaftlichen Ordnung. „Sie bringen uns gerne zum Träumen“, sagte er um dann einzuschränken: „Wir setzten Anreize und erwarten, dass sich die Welt fügt – doch die Realität sieht anders aus.“
Gute Absichten allein reichen nicht, so Zimmermann. Wenn die Anreize nicht die richtigen sind, passiert nichts. Erst wenn man sie versteht, kann man sie richtig anwenden. Dazu gehört die Einsicht, dass Anreize nicht automatisch wirken, sondern dann, wenn sie zu den Betreffenden passen. Das zeigt die Arbeit von Saskia Opitz.

Diese Erkenntnisse sind unbequem. Wie schön wäre ein durchdachtes System, das auf alle passt. Doch so funktioniert die Welt nicht.
– Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Zimmermann

Aber es zeigt sich immer wieder, so Zimmermann, dass die bessere Idee gewinnt, weil sie sich schnell als die bessere herausstellt. Damit referierte der Laudator auf den Stifter des Preises: Wolfgang Ritter. Mit seinem Buch „Die bessere Idee“ legte er den Grundstein für den Stiftungsgedanken „Bessere Ideen für gemeinsamen Fortschritt“ .

Jun.-Prof. Dr. Saskia Opitz nahm die Auszeichnung mit sichtlicher Freude und Stolz entgegen. „Für mich bedeutet die Auszeichnung ganz viel Wertschätzung für meine Arbeit und damit auch viel Motivation weiterzumachen und weiterzuforschen. Auch freut es mich sehr, dass sich so ein großes Publikum für meine Arbeit begeistern kann“, so Opitz im Anschluss. In ihrer Rede beschrieb sie reale Beispiele aus ihrer Forschung für gelungene und gescheiterte Anreize – und teilte Erkenntnisse aus ihren aktuellen Forschungsprojekten mit führenden Wirtschaftsunternehmen.

Podiumsdiskussion beleuchtete das Thema weiter

Die anschließende Podiumsdiskussion fand regen Anklang. Moderiert von Prof. Dr. Sabrina Hegner – Professorin für International Management an der Hochschule Bremen – beleuchteten die Teilnehmer verschiedene Themen rund um Leadership und Anreizsysteme. Darunter der Einsatz von Algorithmen und die Verantwortung von Führungskräften bei der Entscheidung für passende Anreize. Auch die Homeoffice-Frage und die durch Homeoffice möglicherweise entstehende Distanz zwischen Mitarbeitern und Führungskräften wurden intensiv diskutiert. Zu den Teilnehmern gehörten – Jun.-Prof. Dr. Saskia Opitz, Prof. Dr. Leena Pundt (Hochschule Bremen), Dr. Tim Nesemann (Sparkasse Bremen) und Andreas Windler (Wolfgang Ritter-Stiftung).

Die Frage lautet doch ‚Wie schafft es die Führungskraft sich so zu etablieren, dass Distanz kein Problem ist?‘ Meine kontroverse Meinung ist, dass wer im Homeoffice den Kontakt zum Mitarbeiter verliert, hat ihn vorher schon nicht gehabt.
– Prof. Dr. Leena Pundt

Lebendiger Dialog zwischen Wirtschaft und Forschung

Im Anschluss konnte das Publikum Fragen an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellen. Diese Gelegenheit wurde intensiv genutzt. Dabei stachen mehrere Beiträge der Preisträger der vergangenen Jahre heraus. Sie animierten zu einem regen Austausch, der auch beim anschließenden Empfang weitergeführt wurde.

Damit bewies die Preisverleihung einmal mehr, dass der Wolfgang-Ritter-Preis nicht nur exzellente Forschung würdigt, sondern genau den Raum für jene „besseren Ideen“ und den lebendigen Dialog bietet, die Wirtschaft und Gesellschaft für einen gemeinsamen Fortschritt brauchen. Als hochkarätiger Treffpunkt und Impulsgeber bringt sie Menschen zusammen und ebnet so den Weg für den Austausch über zukunftsweisende Innovationen, neue Denkansätze und Antworten auf wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen unserer Zeit.

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