01. Dezember 2025

Wolfgang-Ritter-Studienpreis für Ideen, die die Welt besser machen

2025 wurden gleich sieben herausragende Bachelor- und Masterarbeiten prämiert

Ende November verabschiedete die Universität Bremen ihre Absolventen der Wirtschaftswissenschaften. Wie gewohnt fand die Veranstaltung im festlichen Ambiente der Glocke statt. Unter den Graduierten waren sieben besonders herausragenden Bachelor- und Masterarbeiten, die mit dem Wolfgang-Ritter-Studienpreis ausgezeichnet wurden. Dieser ist auf insgesamt 4000 Euro dotiert und prämiert die Arbeiten mit den besten Abschlussnoten eines Jahrgangs. Zudem zeigen die Arbeiten Kreativität, Weitsicht und Mut, Dinge anders anzugehen. Ganz im Sinne des Stiftungsgedankens widmen sie sich Problemen unserer Zeit, denken Wirtschaft neu und tragen so einen wichtigen Teil zur Gestaltung der Gesellschaft bei.

Eröffnet wurde der Abend durch einen musikalischen Beitrag von Sänergin Dunja Koppenhöfer und Nicolai Thein am Klavier. Es folgten einige Grußworte und Würdigungen, unter anderem von Prof. Dr. Maik Eisenbeiß, Dekan des Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Universität Bremen und dem Senator für Finanzen sowie stellvertretenden Bürgermeister Björn Fecker. Dann war es an Alexander Witte im Namen der Wolfgang-Ritter-Stiftung den gleichnamigen Studienpreis zu übergeben. In seiner Rede würdigte er die Preisträger als Menschen mit Ideen, die die Welt besser machen, die Probleme lösen und Perspektiven für gemeinsamen Fortschritt schaffen. „Als Wolfgang-Ritter-Stiftung glauben wir an die Kraft der besseren Idee. Denn Fortschritt entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, um Neues zu schaffen“, so Witte.

Sie stehen für das, was wir brauchen, um die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.

– Alexander Witte (Wolfgang-Ritter-Stiftung)

Ausgezeichnet wurden:

Drilon Bulica, Julia Rossol und Noah Beckmann (Bachelor)

Lara Eilts, Marziye Tavan, Lena Behnke und Jasper Wagner ( Master).

Ölpreise im Fokus

Die Arbeit von Drilon Bulica analysiert, wie Ölpreisschocks die Inflationserwartungen in EU-Ländern beeinflussen. „In der Forschung wird der Zusammenhang zwischen Energiepreisen und Inflationserwartungen überwiegend mit US-Daten untersucht. Ich wollte wissen, ob sich im europäischen Kontext ein anderes Bild ergibt“, erklärt Bulica. „Besonders interessierte mich, wie sichtbare Preise wie Kraftstoff an der Tankstelle die Erwartungen der Haushalte prägen.“ Seine Ergebnisse zeigen, dass Kraftstoffpreisschocks Inflation und Erwartungen zwar kurzfristig nach oben treiben, die längerfristigen Inflationserwartungen in der Eurozone jedoch weitgehend verankert bleiben. Das deutet darauf hin, dass solche Ereignisse alleine kein Auslöser einer dauerhaften Inflationsspirale sind. Seine Forschung wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Vor Kurzem hat Bulica den Masterstudiengang „The Economics of Global Challenges“ an der Universität Bremen begonnen.

Das ist für mich eine große Ehre und wichtige Anerkennung. Die Auszeichnung motiviert mich, meinen akademischen Weg weiterzugehen

– Bachelor-Absolvent Drilon Bulica

Nachhaltigkeitskommunikation

Julia Rossol belegte mit ihrem Thema „Chancen und Risiken der Nachhaltigkeitskommunikation für die Markenwahrnehmung und das Image eines Unternehmens“ den zweiten Rang. Sie untersuchte die Art, wie Unternehmen über Nachhaltigkeit sprechen, denn dies prägt Vertrauen und Glaubwürdigkeit. In ihrer Arbeit zeigt sie, wie verantwortungsvolle Kommunikation gelingt und welche Auswirkungen mangelnde Authentizität haben kann. Als Ausgangspunkt diente die Erkenntnis, dass durch einen Wertewandel innerhalb der Gesellschaft Nachhaltigkeit zu einem zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen geworden ist. Um Erwartungen zu erfüllen und Wettbewerbschancen zu nutzen, sind strategische Nachhaltigkeitsausrichtungen nötig. Rossol interessierte vor allem die Spannung zwischen echtem Engagement und Imagepflege. Ihre Ergebnisse zeigen, dass „selbst kurzfristig erfolgreiche Greenwashing-Strategien mit erheblichen, kaum kalkulierbaren Risiken für das Markenvertrauen, die Markenbewertung und das Unternehmensimage verbunden sind“.

Der Studienpreis ist eine Bestätigung dafür, dass die intensive Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlich relevanten Thema gesehen und anerkannt wird.

– Bachelor-Absolventin Julia Rossol

Arbeitswelt im Wandel

Den Wandel der Arbeitswelt hat der Drittplatzierte Noah Beckmann in den Fokus genommen. Er erforschte, wie die Digitalisierung das Organisationserleben junger gewerblich Beschäftigter verändert. „Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt tiefgreifend. Gerade junge Beschäftigte rücken mit ihrer digitalen Kompetenz stärker in Verantwortung. Meine Arbeit leistet aus meiner Sicht einen Beitrag dazu, ihr Organisationserleben besser zu verstehen. Und sie gibt Unternehmen Hinweise, wie diese Generation sie in der Transformation gezielt unterstützen kann“, so Beckmann, der seit Oktober Wirtschaftspsychologie im Master an der Universität Bremen studiert.

Die Auszeichnung zeigt, dass Engagement und Leistung in Bremen gesehen und gewürdigt werden.

– Bachelor-Absolvent Noah Beckmann

Zielgruppe: Generation Z

Bei den Master-Absolventen stach Lara Eilts als Erstplatzierte heraus. Sie widmete sich den Konsummustern der Generation Z, speziell beim Kaffee. Sie stellte die Frage, wie Marken diese Zielgruppe erreichen. „Mir war wichtig, besser zu verstehen, was unsere Generation antreibt, denn ihre Werte und Entscheidungen beeinflussen schon heute ganze Branchen. Ich glaube, dass dieses Verständnis Unternehmen und Gesellschaft hilft, offenere und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln“, so Eilts. Für sie war die Auszeichnung ein Moment, der sie stolz gemacht hat.

Es fühlt sich sehr schön an zu sehen, dass die viele Arbeit und Leidenschaft, die ich in meine Arbeit gesteckt habe, gesehen wird.

– Master-Absolventin Lara Eilts

Steuern vs. Wettbewerbsfähigkeit

Das Thema Steuern untersuchte Marziye Tavan. Sie erstellte eine Analyse der wesentlichen Treiber der Steuerquote im Konzern. In ihrer Arbeit betrachtet sie, wie steuerliche Steuerung die Wettbewerbsfähigkeit beeinflusst. In den Fokus nahm sie vor allem die globale Mindeststeuer. Damit schafft sie Klarheit und liefert Impulse für eine verantwortungsvolle wie auch effiziente Konzernsteuerung.

Während der Schreibphase gab es Momente des Zweifelns. Daher fühlt sich die Auszeichnung wie eine Bestätigung an, dass sich mein Einsatz und Durchhaltevermögen gelohnt haben.

– Master-Absolventin Marziye Tavan

Wertschöpfungsregulierungen

Jasper Wagner teilt sich den dritten Platz mit Lena Behnke. Er untersuchte, wie globale Wertschöpfungsregulierungen die Investitionsentscheidungen multinationaler Unternehmen beeinflussen. Seine Ausgangsfrage lautete: „Führt mehr Regulierung tatsächlich zu besseren Ergebnissen?“ Während seiner Arbeit zeigte sich, dass verpflichtende Sorgfaltspflichten kurzfristig zu geringeren Auslandsinvestitionen führen können. „Gleichzeitig macht die Entwicklung deutlich, dass solche Regelungen notwendig bleiben, da entlang globaler Wertschöpfungsketten weiterhin erhebliche Missstände wie Kinderarbeit und Umweltverschmutzungen bestehen“, fasst Wagner zusammen.

Der Wolfgang-Ritter-Studienpreis ist eine große Motivation, mich auch künftig intensiv mit verantwortungsvollen Wirtschaftsstrukturen auseinanderzusetzen.

– Master-Absolvent Jasper Wagner

Fotos: Marc-Andre Matzkeit

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