08. Mai 2024

Soziale Gerechtigkeit und digitale Innovation

Am 8. Mai 2024 fand im Bremer Rathaus die feierliche Verleihung des Wolfgang-Ritter-Preises statt, einer der renommiertesten und höchstdotierten Auszeichnungen im Bereich der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in Deutschland. Dieses Jahr wurden zwei herausragende Wissenschaftlerinnen für ihre wegweisenden Arbeiten geehrt: Prof. Dr. Julia Kraft von der Universität Potsdam und Dr. Katharina Drechsler von der Universität zu Köln. Beide teilen sich das Preisgeld von 20.000 Euro.

Prof. Dr. Julia Kraft: Vertragsrecht als Instrument gegen Armut

Prof. Dr. Julia Kraft, seit Mai 2023 Professorin für Bürgerliches Recht und Vertragsgestaltung an der Universität Potsdam, wurde für ihre Habilitationsschrift „Armut und Vertrag – Über den liberalen Wert eines sozialen Vertragsrechts“ ausgezeichnet. Ihre Arbeit untersucht die Rolle des Vertragsrechts in der Armutsbekämpfung und stellt die Frage, ob und wie rechtliche Rahmenbedingungen gestaltet werden können, um wirtschaftliche Ungleichheiten zu verringern. Kraft stützt sich auf ökonomische Theorien und den Befähigungsansatz des Nobelpreisträgers Amartya Sen, um zu analysieren, ob Verträge so gestaltet werden können, dass sie auch für ökonomisch Schwache vorteilhaft sind. „Kann ein Mittelloser Vertragsbeziehungen auf Augenhöhe aufbauen oder ist er seinem Vertragspartner nicht unterlegen?“ – diese zentrale Frage ihrer Arbeit bietet eine neue Perspektive auf das Vertragsrecht und dessen soziale Implikationen.

Dr. Katharina Drechsler: Innovation im digitalen Zeitalter

Dr. Katharina Drechsler, Postdoktorandin und Akademische Rätin an der Universität zu Köln, erhielt den Preis für ihre Dissertation „Promoting Digital Innovation and Transformation – Innovation Champions in the Digital Age“. Ihre Forschung beschäftigt sich mit den Erfolgsfaktoren von Innovationen im digitalen Zeitalter und der Rolle, die Innovatoren dabei spielen. Drechslers Arbeit kombiniert Ansätze aus Finanzen, Management und Wirtschaftsinformatik, um zu zeigen, dass nachhaltige Innovation häufig nicht mehr das Ergebnis einzelner großer Persönlichkeiten ist, sondern von in Teams verteilten Akteuren getragen wird. Ihre Erkenntnisse bieten wertvolle Impulse für Unternehmen, die in der digitalen Transformation erfolgreich sein wollen.

Feierliche Preisverleihung im Bremer Rathaus

Die Preisverleihung fand im Beisein von Bremens Wissenschaftssenatorin Kathrin Moosdorf statt, die in ihrem Grußwort die Bedeutung der ausgezeichneten Arbeiten für soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit betonte. „Dieser Ansatz der Stiftung passt hervorragend zum Profil des Bremer Wissenschaftsstandorts. Ich danke der Wolfgang-Ritter-Stiftung für ihr stetes Engagement und gratuliere den beiden Preisträgerinnen ganz herzlich zu dieser Auszeichnung,“ sagte Moosdorf.

Würdigung durch die Stiftung

Prof. Dr. Bernd Scholz-Reiter, Vorstand der Wolfgang-Ritter-Stiftung, lobte die Arbeiten der Preisträgerinnen als „ganz im Sinne des Stifters Wolfgang Ritter“. „Wir ehren zwei Wissenschaftlerinnen, die mit ihren innovativen Ansätzen zu aktuellen und praxisrelevanten Problemen beigetragen haben,“ so Scholz-Reiter. Die Forschung von Julia Kraft und Katharina Drechsler verdeutliche die essenziellen Triebkräfte der sozialen Marktwirtschaft: Fortschritt und Freiheit.

Eine Tradition der Exzellenz

Der Wolfgang-Ritter-Preis wird seit 1985 verliehen und hat seither mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt. Die Stiftung setzt sich für die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten ein, die kreative und aktuelle Fragen aufwerfen und hohe gesellschaftliche Relevanz besitzen. Die diesjährigen Preisträgerinnen stehen in dieser Tradition und ihre Arbeiten versprechen, nachhaltige Impulse für Wissenschaft und Gesellschaft zu setzen.

Mit dieser Auszeichnung betont die Wolfgang-Ritter-Stiftung erneut ihre Rolle als bedeutender Förderer wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Relevanz. Die innovativen Forschungsansätze von Prof. Dr. Julia Kraft und Dr. Katharina Drechsler werden zweifellos dazu beitragen, den Wissenschaftsstandort Deutschland weiter zu stärken und die Diskussion um soziale Gerechtigkeit und digitale Transformation zu bereichern.

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