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25. Bremer Universitäts-Gespräche
2012

Wind als Zukunftsenergie — wie kann das gelingen?

Am 1. und 2. November 2012

 

Wissenschaftliche Koordination:

Prof. Dr. Bernd Orlik

 

     
 

Zum Thema im Jahr 2012

Die Bundesregierung hat im September 2010 ein Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung bis 2050 vorgelegt. Danach soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch — also dem Gesamtverbrauch an Strom, Wärme und Kraftstoffen — von 11 Prozent im Jahr 2010 über 18 Prozent bis 2020 auf 60 Prozent bis zum Jahr 2050 erhöht werden. Das Ausmaß, in dem sich unsere Energieversorgung in den nächsten 40 Jahren verändern muss, wird deutlich, wenn man den Endenergieverbrauch in Deutschland in absoluten Zahlen betrachtet. Er betrug im Jahr 2010 etwa 2.630 Milliarden Kilowattstunden. Davon entfielen auf den Stromverbrauch 605 Milliarden Kilowattstunden, auf den Wärmeverbrauch 1.405 Milliarden und auf den Kraftstoffverbrauch 620 Milliarden.

 

Norddeutschlands erneuerbarer Primärenergieträger der Zukunft ist der Wind. Während die Windenergie bei der Bereitstellung von Kraftstoffen und Wärme bisher keine Rolle spielt, leistet sie mit circa 37 Milliarden Kilowattstunden bereits heute den größten Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern. Insgesamt soll der Anteil der aus regenerativen Quellen erzeugten elektrischen Energie nach dem Energiekonzept der Bundesregierung von heute 16 Prozent auf 35 Prozent bis zum Jahr 2020 und dann weiter auf 80 Prozent bis 2050 gesteigert werden. Die Umsetzung dieser energiepolitischen Ziele bedeutet für die Windenergietechnik je nach Windangebot eine Verdoppelung bis Vervierfachung der installierten Leistung allein für den Bereich der Stromerzeugung. Wenn in Zukunft ein wesentlicher Anteil des Kraftstoffverbrauchs durch Strom ersetzt werden soll (Stichwort Elektromobilität), wird die Installation weiterer Windenergieanlagen erforderlich.

 

Die Windenergietechnik hat in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen. Im Jahr 2011 sind in Deutschland 895 neue Anlagen mit einer Leistung von 2.000 Megawatt aufgestellt worden. Die Größe der Windenergieanlagen hat sich auf aktuell 7,5 Megawatt entwickelt. Nächstes Etappenziel ist auf europäischer Ebene die Entwicklung von Windenergieanlagen mit einer Leistung von 20 Megawatt.

 

Im Rahmen des Repowering werden an Land zunehmend Altanlagen durch neue Multi-Megawatt- Anlagen ersetzt. Der erste kommerzielle Offshore-Windpark BARD Offshore 1 befindet sich im Aufbau, die ersten Anlagen sind bereits aufgestellt. Ende 2011 waren bereits mehr als 2.000 Anlagen in den deutschen Seegebieten genehmigt. Als Fernziel befinden sich aktuell in Nord- und Ostsee Windparks mit einer installierten Leistung von insgesamt 32 Gigawatt in der Planung. Das entspricht einer Zahl von 6.400 Windenergieanlagen mit einer Leistung von je 5 Megawatt.

 

Nachdem der Umbau der Energieversorgung im Jahr 2011 mit dem Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergienutzung noch einmal einen zusätzlichen Schub bekommen hat, mehren sich in letzter Zeit Stimmen, die vor überzogenen Erwartungen warnen und das angestrebte Tempo bei der Energiewende für zu hoch und für praktisch nicht realisierbar halten. Die Aspekte sind vielschichtig:

 

Eine große Herausforderung ist die Bereitstellung der hohen Investitionsmittel für die Errichtung von Windparks auf See, die Anbindung an das Festland und den Ausbau des Höchstspannungsnetzes zur Weiterleitung des Stromes von der Küste zu den Ballungszentren in ganz Deutschland. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat Ende 2011 darauf hingewiesen, dass es große Schwierigkeiten bei der Beschaffung des Kapitals für die Netzanbindung der Windparks im Meer gibt. Wie kann es trotz Finanzmarkt- und Eurokrise gelingen, diesen Kapitalbedarf zu decken?

Preisgünstige Energie, die immer verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird, ist für ein Industrieland wie Deutschland von existenzieller Bedeutung. Eine Steigerung der Energiepreise bliebe nicht ohne Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exportgüter, insbesondere bei Produkten aus energieintensiven Produktionsprozessen. Auch für die privaten Verbraucher hätte das Konsequenzen. Wenn die Windenergie in Zukunft die zentrale Energiequelle bilden soll, müssen die Erzeugungskosten für Windstrom deutlich sinken. Wie kann das erreicht werden?

Dazu kommt die Frage nach der Versorgungssicherheit und der Qualität der Stromversorgung. Das Windangebot ist nicht steuerbar und passt im Allgemeinen nicht zum Bedarf. In letzter Zeit sind Klagen über eine Zunahme von Frequenzschwankungen und Stromausfällen im Millisekundebereich geäußert worden, die die Stabilität komplexer Produktionsprozesse beeinträchtigen können. Wie kann die Windenergie mehr als bisher einen Beitrag zur Erhaltung der Netzstabilität und der Netzqualität leisten? Und welche Möglichkeiten gibt es, die Diskrepanz zwischen den meteorologischen Gegebenheiten und dem Bedarf der Verbraucher auszugleichen und die Versorgungssicherheit ohne die Unterstützung durch die Nachbarländer herzustellen?

Mit dem Aufbau großer Windenergieanlagen an Land und dem geplanten Neubau von Höchstspannungsleitungen schwindet zunehmend die gesellschaftliche Akzeptanz der Windenergietechnik. Anwohner von Windenergieanlagen beklagen sich über Lärmbelastung und Schattenwurf durch laufende Anlagen sowie die Verschandelung der Landschaft durch Windenregieanlagen und Strommasten. Der Bau von Höchstspannungsleitungen und Pumpspeicherkraftwerken wird blockiert. Welche Möglichkeiten gibt es, diese Konflikte zu lösen?

 

Die genannten Aspekte machen deutlich, dass die Fragen, die zu einer erfolgreichen Nutzung der Windenergietechnik beantwortet werden müssen, weit über die der Erzeugung und der Weiterleitung elektrischer Energie hinausgehen. Die Windenergie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus meteorologischen Gegebenheiten, Anforderungen der Wirtschaft und der privaten Verbraucher, dem finanziellen Spielraum, der gesellschaftlichen Akzeptanz und den technischen Möglichkeiten. Angesichts einer zunehmenden Verknappung von Erdöl und später auch von Erdgas ist die intensive Nutzung der Windenergie jedoch mittelfristig trotz allem unumgänglich.

 

In den diesjährigen Bremer Universitäts-Gesprächen sollen diese Fragen erörtert werden. Diskutiert wird, wo die Windenergietechnik aktuell steht und welche Anstrengungen unternommen werden müssen, um Wind zu der zentralen Energiequelle für Deutschland zu entwickeln.

 

Die Idee

Seit 1988 laden die Wolfgang-Ritter-Stiftung, die Universität Bremen und die Unifreunde zu den Bremer Universitäts-Gesprächen ein. Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie aus gesellschaftlich relevanten Gruppen beleuchten Themen, die für Wissenschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen bedeutungsvoll sind. Eine Schriftenreihe der Veranstalter dokumentiert die Gespräche für die Öffentlichkeit.

Die Veranstaltung

Die Veranstaltung beginnt üblicherweise am ersten Donnerstag im November mit einem öffentlichen Festvortrag in der historischen Stadtwaage. Beim anschließenden Empfang der Sparkasse Bremen haben die Klausurgästen Gelegenheit, zum kennen lernen und Gedankenaustausch.

Um den Gesprächen ungestörten Raum zur Vertiefung und für den Exkurs zu gewähren, werden die Gespräche am nächsten Tag in einer Klausuratmosphäre fortgesetzt. Kurze Referate vertiefen die im Festvortrag beleuchteten Themen, strukturierte Diskussionsrunden erörtern Querschnittsfragen und entwerfen Handlungsoptionen.

Ein abschließender Spaziergang durch das historische Bremen und der Besuch des traditionsreichen Ratskellers vermitteln den Gästen einen kleinen Eindruck hanseatischen Lebens.

Die Veranstalter

Die  Wolfgang-Ritter-Stiftung  wurde 1970 ins Leben gerufen. Sie trägt den Namen des früheren Inhabers der Martin Brinkmann AG und hat sich als gemeinnützige Stiftung privaten Rechts das Ziel gesetzt, die Wissenschaften, ihre Einrichtungen und den akademischen Nachwuchs zu fördern. Mit den  Bremer Universitäts-Gesprächen  eröffnete die Stiftung der Universität ein Forum, Themen und Meinungen in die Öffentlichkeit zu tragen, die weit über den akademischen Alltag hinausgehen.

 

Die  Universität Bremen  bietet heute in 12 Fachbereichen, mit mehr als 80 Studiengängen, etwa 20.000 Studierenden eine zukunftsorientierte Ausbildungsmöglichkeit.

Als Stätte der Forschung mit überregional bedeutsamen Schwerpunkten ist sie attraktiv für junge wie erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die rasante Entwicklung des Technologiepark Universität ist sichtbares Zeichen für den erfolgreichen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

 

Die  Unifreunde,  Gesellschaft der Freunde der Universität und der International University Bremen e.V. wurde 1961 und damit vor der Universität gegründet. Ihr Ziel ist es, die wissenschaftliche Forschungsarbeit zu unterstützen, vor allem, den Universitätsgedanken zu fördern. Mit ihren Veranstaltungen regt sie den Dialog zwischen der Wissenschaft und der Bevölkerung an.

Teilnahme

Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Einladung möglich.

 

Stand Juli 2012

 

 

 

 

Die vorhergehende Veranstaltung

Die Bremer Universitäts-Gespräche 2011 mit Bildergalerie >>

 

Impressionen

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