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23. Bremer Universitäts-Gespräche
2010

Wirtschaftsethik

Warum ist ethisches Entscheiden in der Wirtschaft so schwer? Reflexionen über Handlungs- und Ermessensspielräume und mögliche Konsequenzen

 

Am 11. und 12. November 2010

 

Wissenschaftliche Koordinatoren:

Prof. Dagmar Borchers und Prof. Georg Müller-Christ

 

Schirmherr:

Senator a.D. Josef Hattig

 

     
 

Das Thema im Jahr 2010:
Wirtschaftsethik

Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde in den letzten Jahren der Ruf nicht nur nach einer neuen globalen Wirtschaftspolitik, sondern gerade nach einer Wirtschaftsethik immer lauter. Die 23. Bremer Universitäts-Gespräche sind dieser Debatte gewidmet. Dabei begreifen sie Wirtschaft und Ethik nicht wie so häufig als einen Grundwiderspruch, sondern verstehen Wirtschaftsethik als angewandte, nicht als begründende Ethik. Diese zielt auf die Lösung praktischer Probleme und nicht auf die Begründung universalistischer moralischer Sätze. Sie setzt vielmehr die Existenz gültiger moralischer Werte voraus. Die diesjährige Veranstaltung bringt Experten aus der Wirtschaft, die mit komplexen Entscheidungsproblemen dieser Art konfrontiert sind, und Wissenschaftler, die Prozesse komplexer Entscheidungen analysieren, miteinander ins Gespräch: Warum ist ethisches Handeln in der Wirtschaft so schwierig? Inwiefern führt es zu einer zunehmenden Komplexität von Entscheidungsprozessen? Welche Erklärungen und Lösungsansätze haben die einschlägigen wissenschaftlichen Disziplinen zu bieten?

 

Für viele wirtschaftende Akteure stellt sich inzwischen nicht mehr die Grundsatzfrage, ob sie moralisch handeln sollen. Moral, Werte oder Normen stellen heute für eine Vielzahl von wirtschaftlichen Entscheidungen von Individuen und Institutionen eine relevante Entscheidungsprämisse dar, die mehr oder weniger intensiv berücksichtigt wird. Die eigentlich brisante Frage ist vielmehr, was es heißt, moralisch zu handeln und systematisch ethische Aspekte zu berücksichtigen – welche Konsequenzen dies für den moralischen Akteur, das Unternehmen und dessen Stakeholder mit sich bringen kann und wie man die antizipierten Effekte der avisierten Gewichtung ethischer Gesichtspunkte bewertet.

 

Die Diskussionen der gesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen um eine stärkere Gewichtung ethischer Aspekte in wirtschaftlichen Entscheidungen rührt aus der Tatsache, dass in einer vollen und vernetzten Welt der wirtschaftliche Erfolg der einen Partei zunehmend nur auf Kosten des wirtschaftlichen Erfolgs anderer oder aber durch intensiven Einsatz von materiellen und immateriellen, aber begrenzten Ressourcen erfolgen kann. Immer mehr Akteure und Akteurinnen sind deshalb von den ökonomischen, ökologischen oder sozialen Nebenwirkungen anderer Wirtschaftsakteure betroffen. Letztlich ist neben der wirtschaftsethischen Diskussion auch die Nachhaltigkeitsdiskussion ein Ausdruck dieser Entwicklung.

 

Wenn Individuen und Institutionen ihre Rolle als moralische Akteure bewusst annehmen, müssen sie feststellen, dass ihre Entscheidungsprozesse immer komplexer werden. Mit herkömmlichen Entscheidungsroutinen sind die schwierigen, konflikthaften und dilemmatischen Abwägungsprozesse kaum zu bewältigen: Leistungsprozesse in Unternehmen beispielsweise müssen technisch machbar, wirtschaftlich effizient, organisatorisch erreichbar, rechtlich zulässig, sozial vertretbar und moralisch einwandfrei sein. Kommt noch der bekannte Zeitdruck und die Tatsache unvollkommener Informationen hinzu, werden mit dem Verweis auf die Umstände Entscheidungen zumeist wirtschaftlichen Kriterien getroffen.

 

In den 23. Bremer Universitäts-Gesprächen wird das Thema Ethik aus der Entscheidungsperspektive betrachtet. Im Vordergrund stehen daher die Abwägungsprozesse, die wirtschaftliche Akteure heute leisten müssen, um moralischere im Sinne von nebenwirkungsfreieren Entscheidungen treffen zu können. Dabei werden drei Entscheidungsbereiche näher betrachtet, die gegenwärtig in der gesellschaftlichen Diskussion besonders im Vordergrund stehen:

 

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Überbetonung ökonomischer Effizienzkriterien weniger Akteur zu einer harten Belastung einer ganzen Weltwirtschaft führen kann. In Teilen der Finanzwirtschaft wurde die Hauptwirkung einer hohen Rendite unter Inkaufnahme von großen Nebenwirkungen auf die anderen Wirtschaftsakteure angestrebt.
In der Arbeitswelt werden die Bedingungen für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer prekärer. Unsichere Arbeitsplätze, befristete Arbeitsverträge, geringe Löhne und ein zunehmender Leistungsdruck sind die Nebenwirkungen eines effizienzgetriebenen Wettbewerbsdrucks.
Die Nachhaltigkeitsdiskussion beruht auf der Tatsache, dass die materiellen Ressourcen dieser Welt immer knapper werden. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, zugleich Wachstum und eine absolute Reduzierung des materiellen Ressourcenverbrauchs zu realisieren. Der gerechte Zugang zu den Ressourcen der Welt und die gerechte Verteilung über die Generationen hinweg sind auch ethische Fragen.

Die Idee

Seit 1988 laden die Wolfgang-Ritter-Stiftung, die Universität Bremen und die Unifreunde zu den Bremer Universitäts-Gesprächen ein. Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie aus gesellschaftlich relevanten Gruppen beleuchten Themen, die für Wissenschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen bedeutungsvoll sind. Eine Schriftenreihe der Veranstalter dokumentiert die Gespräche für die Öffentlichkeit.

Die Veranstaltung

Die Veranstaltung beginnt üblicherweise am ersten Donnerstag im November mit einem öffentlichen Festvortrag in der historischen Stadtwaage. Beim anschließenden Empfang der Sparkasse Bremen haben die Klausurgästen Gelegenheit, zum kennen lernen und Gedankenaustausch.

Um den Gesprächen ungestörten Raum zur Vertiefung und für den Exkurs zu gewähren, werden die Gespräche am nächsten Tag in einer Klausuratmosphäre fortgesetzt. Kurze Referate vertiefen die im Festvortrag beleuchteten Themen, strukturierte Diskussionsrunden erörtern Querschnittsfragen und entwerfen Handlungsoptionen.

Ein abschließender Spaziergang durch das historische Bremen und der Besuch des traditionsreichen Ratskellers vermitteln den Gästen einen kleinen Eindruck hanseatischen Lebens.

Die Veranstalter

Die  Wolfgang-Ritter-Stiftung  wurde 1970 ins Leben gerufen. Sie trägt den Namen des früheren Inhabers der Martin Brinkmann AG und hat sich als gemeinnützige Stiftung privaten Rechts das Ziel gesetzt, die Wissenschaften, ihre Einrichtungen und den akademischen Nachwuchs zu fördern. Mit den  Bremer Universitäts-Gesprächen  eröffnete die Stiftung der Universität ein Forum, Themen und Meinungen in die Öffentlichkeit zu tragen, die weit über den akademischen Alltag hinausgehen.

 

Die  Universität Bremen  bietet heute in 12 Fachbereichen, mit mehr als 80 Studiengängen, etwa 20.000 Studierenden eine zukunftsorientierte Ausbildungsmöglichkeit.

Als Stätte der Forschung mit überregional bedeutsamen Schwerpunkten ist sie attraktiv für junge wie erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die rasante Entwicklung des Technologiepark Universität ist sichtbares Zeichen für den erfolgreichen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

 

Die  Unifreunde,  Gesellschaft der Freunde der Universität und der International University Bremen e.V. wurde 1961 und damit vor der Universität gegründet. Ihr Ziel ist es, die wissenschaftliche Forschungsarbeit zu unterstützen, vor allem, den Universitätsgedanken zu fördern. Mit ihren Veranstaltungen regt sie den Dialog zwischen der Wissenschaft und der Bevölkerung an.

Teilnahme

Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Einladung möglich.

 

Stand Juli 2010

 

 

Die 23. Bremer Universitäts-Gespräche in den Medien

Das Nordwestradio brachte am 12. Dezember 2010 einen Bericht zum Thema „Ethisches Entscheiden in der Wirtschaft“.

Diesen Beitrag können Sie sich auf der Website des Nordwestradios anhören. >>

Den Artikel dazu lesen Sie hier >>

 

 

Die vorhergehende Veranstaltung

Die Bremer Universitäts-Gespräche 2009 mit Bildergalerie >>

 

Impressionen

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